Sonja Töbing vom Westfalenblatt war am Donnerstag zu Besuch in den Büroräumen des Tinten Toner Versand in der Industriestr. 1 und berichtet:
Michelle Hauser sorgt für frischen Wind 18-Jährige macht eine Einstiegsqualifizierung beim Tinten-Toner-Versand Connect1. »Am Ball bleiben lohnt sich«, betont Günter Lessmann, U25-Teamleiter der Herforder Arbeitsagentur. Das hat auch die 18-jährige Michelle Hauser aus Löhne erkannt. Sie startet mit einer Einstiegsqualifizierung bei der Tinten Toner Versand Connect1 GmbH durch in Richtung Ausbildung.
Michelle war eine von 212 Ausbildungsbewerbern im Agenturbezirk Herford, die am 30. September vergangenen Jahres noch keine Ausbildungsstelle gefunden hatten. »Sie hat es richtig gemacht und weiterhin Motivation gezeigt«, betont Kerstin Becker, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Herford.
Im Dezember 2009 begann Michelle mit ihrer Arbeit bei der Connect1-GmbH. »Es war Zufall, dass ich hier gelandet bin. Beim Esta-Bildungswerk wurde ich von meinem Berufsberater angesprochen. Der Beruf der Bürokauffrau hat mich immer schon interessiert«, sagt die 18-Jährige, die mit ihrem Realschulabschluss auch die passenden Voraussetzungen für den Beruf mitbringt.
»Die Einstiegsqualifizierung ist ein Instrument im Rahmen des Ausbildungspaktes, das erstmals im Ausbildungsjahr 2004 als Brücke in die Berufsausbildung zur Verfügung stand«, berichtet Kerstin Becker. In der Regel würde diese Qualifizierung sechs bis zwölf Monate dauern und könne bei einer möglichen Übernahme auf die anschließende Berufsausbildung angerechnet werden.
»Die Einstiegsqualifizierung ist mit einem Praktikum vergleichbar, nur dass sie wesentlich länger dauert. Der Vorteil ist, dass Unternehmen und Bewerber sich längere Zeit beschnuppern können. Und der Bewerber hat so die Möglichkeit herauszufinden, ob der Beruf zu ihm passt oder nicht«, sagt die Pressesprecherin. Pro Monat verdienen die Teilnehmer 212 Euro, die dank eines Sofortprogramms der Bundesregierung von der jeweiligen Arbeitsagentur übernommen werden. 212 Euro – das ist ist nicht gerade viel. »Davon leben kann man nicht. Da ich noch bei meinen Eltern lebe, geht es. Als Auszubildende zur Bürokauffrau würde ich etwa das Dreifache verdienen«, erzählt Michelle. Sie hoffe, dass sie zum 1. August dieses Jahres als Auszubildende bei der Connect1-GmbH übernommen wird.
Geschäftsführer Thomas Gamon und die für die Auszubildenden zuständige Mitarbeiterin Susanne Garl sind mit der 18-Jährigen bislang sehr zufrieden. »Wir bieten eine Einstiegsqualifizierung zum ersten Mal an. Für uns ist das eine gute Gelegenheit, Michelle als möglicherweise angehenden Azubi zu testen«, sagt Thomas Gamon. Und dabei gehe es nicht nur um die bisher schulisch erworbenen
Kenntnisse eines Bewerbers, sondern auch um soziale Kompetenzen, die für die Zusammenarbeit im Team unbedingt erforderlich seien. »Mit ihrem jugendlichen Charme bringt Michelle frischen Wind ins Unternehmen«, betont der Geschäftsführer. Günter Lessmann ist von der Einstiegsqualifizierung überzeugt. »Ich appelliere an alle jungen Leute, sich intensiver mit alternativen Möglichkeiten des beruflichen Einstiegs zu befassen und unterbreitete Angebote anzunehmen. « Hierbei helfe die Berufsberatung der Herforder Arbeitsagentur weiter. »In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen weniger Ausbildungsplätze angeboten werden, gilt es, das Bewusstsein der Arbeitgeber zu stärken, eigenes Fachpersonal auszubilden «, sagt Günter Lessmann.
Die Neue Westfälische war ebenso vor Ort:
Löhne. Und dann stand sie da: Der Stichtag verstrich, viele ihrer Schulkollegen begannen mit ihren Ausbildungen. Doch Michelle Hauser hatte keinen der raren Ausbildungsplatz bekommen. Dennocharbeitet die 18-Jährige. Jeden Tag. An einem eigenen Schreibtisch. Mit reichlich Aufgaben. Und sie lernt etwas. Jeden Tag. Und sie bekommt ein Gehalt, wenn auch nur symbolisch. Möglich
machtall das die Einstiegsqualifizierung (EQ) der Agentur für Arbeit.
Im Großraumbüro beim Internethändler Tintentonerversand Connect1 an der Industriestraße sitzen vier junge Frauen. Auf den ersten Blick sieht man keinen Unterschied zwischen ihnen, doch eine hier ist im Prinzip nur Gast, wenn auch ein besonderer. MichelleHauser absolviert ihre Einstiegsqualifizierung. Das ist eine Maßnahme irgendwo zwischen Praktikum und Ausbildung. Endlich, denn nach Realschulabschluss, Berufskolleg und Bildungswerk hofft die junge Frau nun dringend auf den Eintritt in die reale Arbeitswelt. „Die Einstiegsqualifizierung ist inzwischen zu einem wichtigen Instrument geworden“, sagt Kerstin Becker, Pressesprecherin der Agenturfür Arbeit in Herford. 212 junge Menschen haben 2009 im Agenturbezirk keine Lehrstelle gefunden. Bis im August und September die
nächsten Ausbildungsjahre starten, vergeht viel Zeit. „Zeit, die man sinnvoll nutzen kann“, so Becker.
Spät dran war auch Thomas Gamon, Geschäftsführer von Connect 1, als er bei der Agentur für Arbeit nach Azubis fragte.
Die wenigen Bewerber, die er traf, passten nicht zum Job oder zur Firma, wie er sagt. Da habe man ihn auf eine EQ angesprochen. „Das erschien mir sinnvoll.“ So könne nicht nur der Azubi unverbindlich testen, ob Beruf und Unternehmen zu ihm passen. „So könnenauch wir testen, ob der Bewerber zu uns passt.“ Die übliche Probezeit von vier Monaten reiche nicht immer aus. „Ein Azubi hat erst nach einem Jahr gemerkt, dass das nicht sein Beruf ist, und hat abgebrochen.“
Ziel der EQ ist auch, dass der Betrieb dem Gast eine richtige Ausbildung anbietet. Die EQZeit kann angerechnet werden. Die Erfolgsquote scheint der Arbeitsagentur Recht zu geben. „In den letzten Jahren haben 60 bis 70 Prozent der EQ-Teilnehmer im selben Betrieb ihre Ausbildung begonnen“, sagt Günter Lessmann, U25-Teamleiter der Arbeitsagentur.
Ob das auch für Michelle Hauser so kommt, weiß noch niemand. „Aber sie ist voll insTeam integriert“, sagt Connect1-Mitarbeiterin
Susanne Garl, die sich ums Personal kümmert. Glück für Michelle Hauser: Es gibt in der Firma schon eine „echte“ Auszubildende, die ihr zur Seite steht. „Ich fühle mich hier richtig wohl“, sagt die Löhnerin. 212 Euro erhält sie pro Monat vom Arbeitsamt während der EQ, die Firma muss nichts berappen. Viel Geld sei das nicht, sagt Michelle Hauser, aber sie sei einfach froh, dass es vorwärts geht. Bürokauffrau sei ihr Wunschberuf und dem komme sie bei Connect1 ein wichtiges Stück näher.
Ihre Aufgaben unterscheiden sich nicht von denen anderer Azubis: Sekretariat, Empfang, Verwaltung, Preiskontrolle. „Ihr Chef hat offenbar volles Vertrauen in sie“, so Kerstin Becker. Sie weist daraufhin, das Michelle Hauser trotz der EQ weiterhin von der Berufsberatung begleitet wird und auch nicht aus der Statistik für Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche falle. Denn streng genommen hat sie ja noch keinen.

